motivation

Warum der Sparfuchs existiert

Ja, es gibt schon hunderte Blogs die sich mit Finanzthemen beschäftigen und die mir auch selbst bei der Meinungsfindung weitergeholfen haben, aber ich habe immer dass Gefühl, dass es dort schnell zu detailliert um Anlageklassen, Performances und Börsen-Bullshit-Bingo geht.

Das mag den Interessierten ansprechen, aber ich möchte eine Seite schaffen, mit der ich die eher Uninteressierteren, die nur etwas sinnvolleres mit dem Geld machen wollen als es auf dem Tagesgeldkonto verschimmeln zu lassen - oder einfach nur besser schlafen möchten, erreiche.

Ich möchte meine Freunde und Bekannten motivieren, nicht alles auf den Kopf zu hauen, was am Monatsanfang auf dem Girokonto landet, um weg aus der Konsumkreditfalle oder des „diese Rechnung wirft mich aus der Bahn“-Leben zu kommen, aber ohne gleich die asketische Lebensweise eines Frugalisten zu adaptieren.

Ich war schon immer ein „Sparfuchs“, aber eigentlich nur, weil ich es sein musste.

Mit wenig Geld aufgewachsen, mit null Kapital durch die erste Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Selbstständigkeit und ein Studium gekommen und dauerhaft nur von der Hand in den Mund gelebt ohne Rücklagen zu bilden. Glücklicherweise aber auch nicht groß ungeplant verschuldet.

Kaum war dann der erste richtige Job da und der Kontostand wurde tatsächlich mal vierstellig - anstatt immer nur zwischen rot und schwarz zu pendeln - stiegen auch die Konsumausgaben. Man gönnte sich dies und jenes und möchte sich für den vorherigen Verzicht belohnen. Ein bisschen zurücklegen, klar, dass gehört dazu, aber die Ausgaben überprüfen, dazu „fehlte“ die Zeit. Die typische Lifestyle-Inflation, der man sich selbstgewollt oder auf Grund des gesellschaftlichen Drucks aussetzt.

Aber, wie es dann manchmal so kommt, unerwartet wird es aus persönlichen Gründen dann doch wieder nötig, das Geld enger beisammen zu halten und auf einmal werden Sparpotentiale entdeckt, die man vorher aus Bequemlichkeit übersah. Das Geld zusammenhalten, Kosten reduzieren und irgendwie über die Runden kommen.

Erst die Recherche zum Thema „Investieren oder Sondertilgen“ brachte dann den Stein so richtig ins Rollen

Meine Erkenntnis: Keine Sondertilgung - zumindest wenn die Randparameter stimmen.

Während die Sondertilgung eines Kredits mit einem Zinssatz oberhalb der 2% Inflationsrate immer sinnvoll und eine totsichere Rendite in Höhe des Zinssatzes ist, bringt das Geld auf dem Kapitalmarkt mit etwas mehr Risiko aber ggf. einen doppelt oder dreifach so hohen Ertrag. Eine Sondertilgung unterhalb von 2% Zinsen macht keinen Sinn, weil die Inflation einem den Kredit quasi kostenlos bereitstellt.

Auf dem Aktienmarkt bringt das Geld langfristig nach Steuern und Inflation ca 5% Rendite.

Der Kernpunkt ist aber, dass man mit Sondertilgungen seine Liquidität verringert. Sollte jetzt eine plötzliche Arbeitslosigkeit oder Krankheit kommen, hat man zwar brav Sondergetilgt, kann aber nicht die aktuellen Raten bedienen. Mit einem Aktiendepot hat man die Möglichkeit durch Verkäufe von Anteilen, die weiteren Ratenzahlungen sicherzustellen um Zeit zu gewinnen.

Aber vor allem mit der Erkenntnis, dass selbst in meinem nicht mehr ganz jungen Alter, mit einer geringer Sparrate und ein wenig Grundkapital trotzdem noch die magischen sechsstelligen Hunderttausend bis zur Rente nicht utopisch sind - das motivierte mich, alles in meinen Unterlagen erneut auf den Kopf zu stellen.

Also nochmals alle Ordner gecheckt, Verträge mit Versicherungssprech gelesen, Kündigungen geschrieben, Alternativen gesucht und dabei einige der Erkenntnisse gesammelt, die hier auf der Seite geteilt werden…

Die Kapitalentwicklung

Meine wichtigste Einsicht:

Selbst mit einer moderat angenommenen Ertragsrate von nur 4% am Aktienmarkt (nach Kosten und Steuern) verdoppelt sich die angesparte Summe in 30 Jahren ziemlich genau - im Gegensatz zu einem aktuellen 0%-Zins Tagesgeld, Sparbuch oder dem Sparschwein, die jedes Jahr Geldwert vernichten

  • motivation.txt
  • Zuletzt geändert: 2020/10/09 10:51
  • von manuel@krischer.it